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Ein Jahrhundert Kunst, Kultur und Kirche in Darmstadt

"Ein Jahrhundert Darmstadt" heißt ein neues Buch über die Stadtgeschichte. Der erste Band "Kunst, Kultur und Kirche" ist jetzt vorgestellt worden. Herausgeber sind der Stadtarchivar Dr. Peter Engels, Oberkirchenrat a.D. Dr. Klaus-Dieter Grunwald und der frühere Oberbürgermeister Peter Benz. Der Band ist im ökumenischen Kirchenladen "Kirche & Co. für 39,90 Euro erhältlich.

DekanatDie Herausgeber: Klaus-Dieter Grunwald, Peter Engels, Peter Benz

Religionen der Stadt im Dialog
Kirchenjurist, früherer Oberbürgermeister und Stadtarchivar geben Buch über Darmstadts Kunst, Kultur und Kirche heraus

„Ein Jahrhundert Darmstadt" heißt ein neues Buch über die Stadtgeschichte der Südhessen-Metropole. Der erste Band „Kunst, Kultur und Kirche" ist jetzt im Darmstädter Haus der Geschichte vorgestellt worden. Ideengeber und Herausgeber sind Oberkirchenrat a.D. Dr. Klaus-Dieter Grunwald, Stadtarchivar Dr. Peter Engels und der frühere Darmstädter Oberbürgermeister Peter Benz. Mit ihnen haben insgesamt 19 Autorinnen und Autoren zu dem 500-Seiten-Werk beigetragen. Themen sind Künste, Theater, Literatur, Musik, Museen, Denkmalpflege, Kirchen und Religionen sowie der Sport in der Stadt.

Als Herzstück der Darmstädter Identität nannte Oberbürgermeister Jochen Partsch die Kultur. „Darmstadt ist eine reiche Stadt“, sagte das Stadtoberhaupt bei der Vorstellung des Buches, reich an kulturellen Errungenschaften. Darmstadt stehe mit seiner kulturellen Tradition für Aufbruch und Moderne. Hier nannte der Oberbürgermeister, der auch Kulturdezernent ist, die Gründung der Künstlerkolonie durch Großherzog Ernst Ludwig, die große Theatertradition der Stadt und den kulturellen Wiederaufbau nach 1945. Er erwähnte aber auch, dass es „nicht nur Glanz und Gloria in der Kulturgeschichte unseres Landes“ gegeben habe, als Negativbeispiel nannte er die Degradierung expressionistischer Kunst durch die Nazis, auch in der Nazihochburg Darmstadt, als „entartete Kunst“. Nach dem Krieg war Darmstadt keine Landeshauptstadt mehr. Da galt es, eine neue Identität zu finden, und die habe in der kulturellen Entwicklung der Stadt gelegen, so Partsch, „Kultur ist die Seele unserer Stadt.“

Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse würdigte die Leistung des Buches. Sie würde es begrüßen, wenn die Texte die Diskussion befördern würden, wie sie in ihrem Grußwort sagte. Sie richtete das Augenmerk auf das Verhältnis von Kultur und Religion. Zur Kultur im weitesten Sinne als Lebensweise gehörten die Kunst, aber auch das politische System sowie die Arbeits- und Wirtschaftsweise. Kultur und Religion spielten etwa bei der Integration eine große Rolle. „Religion drückt sich in Kultur aus“, so die Dekanin. Dabei könne sich Religion von der prägenden Kultur abgrenzen oder auch an sie anpassen. Wenn Religion Menschen Halt und Orientierung vermitteln, trösten, ermutigen, herausfordern und mahnen wolle, brauche sie einen dritten Weg, so Dekanin Schmidt-Hesse. Es gelte, „nah bei den Menschen und ihren Lebensfragen, also mitten in der Welt präsent zu sein. Zugleich dürfe Religion nicht von der Welt sein, also völlig in ihr aufgehen. Das Andere, das Hoffnungspotential müsse zum Ausdruck kommen. Das Buch beschreibe Beispiele für diese unterschiedlichen Modelle. Ulrike Schmidt-Hesse fragte ebenso nach den Kriterien für eine angemessene Integration oder Kontextualisierung von Religion „in unserer Kultur“. Als Bürgerin ersehe sie diese Kriterien aus dem Grundgesetz. Als Christin sage sie: „Die verschiedenen kulturellen Ausdrucksformen unserer Botschaft sollen auf den leidenschaftlich-liebenden Christus bezogen und lebensfördernd, befreiend, gemeinschafts- und friedensstiftend sein.“ Der Mehrheitsprotestantismus habe in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, auch in Darmstadt, diesen Kriterien nicht entsprochen. Im Darmstädter Wort von 1947 habe die evangelische Kirche Irrwege und Schuld erkannt und benannt. Sie habe sich nach 1945 grundlegend neu orientiert. Für die Praxis von Religion in der heutigen pluralen Gesellschaft sei der Dialog untereinander und mit Menschen ohne religiöse Bindung zentral. Das werde in dem Buch in den Kapiteln über die Religionen in Darmstadt deutlich. Als Beispiel für den gelebten Dialog nannte sie etwa die gemeinsame Erklärung der evangelischen, katholischen, freikirchlichen und orthodoxen Beteiligten an der gemeinsamen Reformationsfeier am 31. Oktober 2017 und die Selbstverpflichtung der „Religionen für den Frieden“, die jedes Jahr am 8. Mai eine öffentliche Friedensveranstaltung in Darmstadt organisieren.

Dr. Klaus-Dieter Grunwald, Jurist und Oberkirchenrat a.D. der EKHN, ging auf das dunkle Kapitel der Kirche im Nationalsozialismus und auf den Kirchenkampf zwischen Bekennender Kirche und Deutschen Christen ein, wie er es auch im Buch in seinem Beitrag über die evangelische Kirche in Darmstadt behandelt. Nach dem Krieg habe es einen Aufbruch gegeben, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau wurde gegründet und erhielt ihren Sitz in Darmstadt mit Martin Niemöller als ersten Kirchenpräsidenten. 1946 wurde die Evangelische Stadtakademie gegründet. Nach der Gründung des Gemeinde- und Dekanatsverbandes wurde 1999 das Darmstädter Modell erprobt. Mit Dekan Norbert Mander wurde der erste Vollzeit-Dekan eingeführt, es folgte die Einrichtung von Profil- und Fachstellen. 2005 wurde das Offene Haus als Dekanatssitz eingeweiht, in dem auch der ökumenische Kirchenladen beheimatet ist. Grunwald stellte zudem das Kapitel von Dr. Manfred Göbel über die katholische Kirche in Darmstadt vor. Die Gründung des Ökumenischen Gemeindezentrums Kranichstein 1980 findet Erwähnung in dem Buch, Dr. Klaus-Dieter Grunwald hat selbst auch ein Kapitel der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Darmstadt, die 1991 gegründet wurde, gewidmet. Ulrike Hofmann, Pfarrerin für Ökumene und Interreligiöses Gespräch im evangelischen Dekanat, hat den Beitrag „Christliche Identität in einer multireligiösen Gesellschaft“ in dem Buch verfasst. „Auf dem Weg des Friedens gibt es keine Alternative zum Dialog“, zitierte Dr. Klaus-Dieter Grunwald aus ihrem Beitrag. Den drei jüdischen Gemeinden in Darmstadt seit 1914 hat Thomas Lange ein Kapitel gewidmet, über den Islam in Darmstadt hat Johannes Borgetto geschrieben.

Der Stadtarchivar Dr. Peter Engels gab einen Einblick in die Entstehung des Buches, das zunächst nur als ein Band zur Stadtgeschichte des vergangenen Jahrhunderts geplant war. Dann kamen bei drei Herausgebern immer neue Gebiete der Kulturgeschichte hinzu, wie etwa die freie Theaterszene, Popmusik oder der Designstandort Darmstadt. Er selbst hat dem Sport in Darmstadt seit 1914 ein eigenes Kapitel gewidmet, der längste Beitrag im Buch. Und es hätte laut Dr. Peter Engels noch weitere Themen gegeben, wie etwa die Geschichte des Kinos in Darmstadt oder die Kulturverwaltung, die keinen Niederschlag im Buch gefunden haben. Im zweiten Band, der im Herbst erscheint, sollen noch „Lücken geschlossen“ werden. Darin gehe es dann um die Kommunalpolitik samt Kultur- und Bildungspolitik, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt und um die Stadtteile und –viertel im Einzelnen.

„Ein Jahrhundert Darmstadt“. Von der Residenzstadt zur Wissenschaftsstadt 1914 – 2019. Band 1: Kunst, Kultur und Kirche, hrsg. von Peter Engels, Klaus-Dieter Grunwald und Peter Benz, Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2019, 500 Seiten, gebunden, 39,90 Euro, ist im Buchhandel sowie im ökumenischen Kirchenladen Kirche & Co. in Darmstadt, Rheinstraße 31, erhältlich.

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