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Dekanat trauert um Martin Stöhr

EKHNMartin Stöhr

Das Dekanat trauert um den Theologen Martin Stöhr. Der frühere Leiter der Evangelischen Akademie Arnoldshain war von 1961 bis 1969 Studentenseelsorger an der TU Darmstadt und galt weltweit als Fachmann für den jüdisch-christlichen Dialog. "Ich habe Martin Stöhr persönlich sehr geschätzt", sagt Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse. Er schrieb 2017 für "70 Jahre Darmstädter Wort" den Festvortrag.

Trauer um den Pionier im jüdisch-christlichen Dialog Martin Stöhr
Früherer Direktor der Evangelischen Akademie Arnoldshain gestorben

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau trauert um den früheren langjährigen Direktor der Evangelischen Akademie Arnoldshain, Martin Stöhr. Der Theologe starb am Mittwoch (4. Dezember) im Alter von 87 Jahren. Er stand von 1969 bis 1986 an der Spitze der Akademie. Darüber hinaus galt Stöhr als weltweit geachteter Fachmann in Fragen des jüdisch-christlichen Dialogs. Von 1965 bis 1984 war er Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit; dann von 1990 bis 1998 Präsident des „International Council of Christians and Jews (ICCJ). Bis zu seinem Tod war er Ehrenpräsident des ICCJ. Für seine sechs Jahrzehnte lange Arbeit im jüdisch-christlichen Dialog wurde er 2016 auch mit der Martin-Niemöller-Medaille geehrt, der höchsten Auszeichnung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Stöhr hatte sich 1984 auch als Kirchenpräsident für die EKHN beworben. Er war in der Wahl aber Helmut Spengler unterlegen, der das Amt bis 1993 inne hatte. 

Kirchenpräsident Jung: Brückenbauer zwischen Christentum und Judentum

Nach Worten des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung war Martin Stöhr ein „Brückenbauer, der sich in herausragender Weise um das christlich-jüdische Verhältnis verdient gemacht hat“. Schon während seines Studiums der Evangelischen Theologie und Soziologie in Mainz, Bonn und Basel habe Stöhr erkannt, dass „ein Versagen in Kirche und Theologie in Bezug auf das Judentum aufzuarbeiten ist und eine grundlegende Neuausrichtung gelingen muss“. Er habe zu den ersten im Nachkriegsdeutschland gehört, die sich mit den judenfeindlichen Schriften des Reformators Martin Luthers kritisch auseinandersetzten. Gleichzeitig „profilierte er die Evangelische Akademie Arnoldshain als Ort des gesellschaftlichen Diskurses auf der Höhe der Zeit“. Bis zuletzt habe er sich in Kirche und Gesellschaft mit wichtigen Impulsen zu Wort gemeldet. Jung: „Die Evangelische Kirche verliert mit Martin Stöhr einen Mann mit großer Ausstrahlungskraft“. Den im jüdisch-christlichen Dialog Engagierten und vielen andere werde seine Stimme fehlen. 

Präses Oelschläger: Erneuerer des Verhältnisses zum Judentum

Der Präses der Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrich Oelschläger, würdigte Stöhr als „wesentlichen Pionier einer grundlegenden Erneuerung unseres Verhältnisses zum Judentum“. So habe er sich vor fast drei Jahrzehnten für die Änderung des Grundartikels der hessen-nassauischen Kirche stark gemacht, der ein „neues Verhältnis zum Judentum und ihre bleibende Erwählung bekennt und sich so jeglichem Antisemitismus und Antijudaismus entgegenstellt“. Diese Impulse habe „Martin Stöhr zusätzlich als Initiator eines Studiums in Israel für Theologiestudierende und durch seine zahlreichen Publikationen verstärkt“, so Oelschläger weiter.
 
Zur Person: Martin Stöhr

Martin Stöhr wurde 1932 in Singhofen (Rhein-Lahn-Kreis) als Sohn eines Pfarrerehepaars geboren. Nach dem Abitur in Bad Ems studierte er von 1951 bis 1956 evangelische Theologie und Soziologie in Mainz, Bonn und Basel. Sein Vikariat, die Ausbildung zum Pfarrer, absolvierte er in Rüsselsheim. Er war dann Pfarrer in Wiesbaden-Amöneburg. Nach seiner Ordination zum Pfarrer war er von 1961 bis 1969 Studentenseelsorger an der Technischen Universität Darmstadt. Von 1969 bis 1986 übte er das Amt des Direktors der Evangelischen Akademie von Arnoldshain aus. Von 1986 bis 1997 lehrte er als Professor für Systematische Theologie an der Universität-Gesamthochschule Siegen. Von 1968 bis 1985 war er zudem Mitglied der Kirchensynode der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau.

Daneben fungierte er von 1965 bis 1984 als Präsident des „Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit“. Danach war er von 1990 bis 1998 Präsident des „International Council of Christians and Jews“. Stöhr ist ebenso ist er Mitbegründer von „Studium in Israel („Stil“). In den Jahren 1978 bis 1994 war er zunächst Vorsitzender des Arbeitskreises, später dann des Vereins von „Stil“; dann wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Vereins berufen. Von 1967 bis 1975 und von 1976 bis 1991 war er Mitglied der Studienkommissionen „Kirche und Judentum“ 1 und 2 der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD); darüber hinaus war er jahrelang Mitglied der Evangelischen Mittelost-Kommission (EMOK) der EKD. Für seine Verdienste erhielt er neben der Martin-Niemöller-Medaille bereits 1983 die theologische Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg und 1984 die Hedwig-Burgheim-Medaille der Stadt Gießen. Stöhr lebte zuletzt in Bad Vilbel.

Hinweis
Die Trauerfeier findet am Montag, 16. Dezember, um 13 Uhr in Bad Vilbel, Trauerhalle (Lohstraße 84) statt. Sie wird von der früheren Pröpstin für Rhein-Main, Gabriele Scherle, gehalten.

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