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Oberbürgermeister Partsch bei Friedensgottesdienst

DekanatOberbürgermeister Jochen Partsch beim Friedensgottesdienst in der Stadtkirche

Oberbürgermeister Jochen Partsch hat beim Friedensgottesdienst in der Stadtkirche gesprochen. Als "Mayor for Peace" sprach er sich für den Dialog mit den Atommächten aus. Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse appellierte, sich für ein Ende des Atomzeitalter einzusetzen. Beim nächsten Friedensgottesdienst am 1. September, 10 Uhr, ist Dr. Peter Löw vom Polen-Institut zu Gast.

DekanatDekanin Ulrike Schmidt-Hesse sowie Dr. Christiane und Peter Rieth vom Friedensforum

 

Aufgabe der Kirchen, zum Frieden zu rufen
Gottesdienst mit Oberbürgermeister Jochen Partsch und Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse

„Der Weg des Friedens braucht Worte und Klänge“, so leitete Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse den ersten Friedensgottesdienst der Reihe zur Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach!“ ein. Zu Gast in der Darmstädter Stadtkirche war Oberbürgermeister Jochen Partsch, der wie die Gastgeberin eine engagierte Ansprache hielt. Thema waren die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 sowie die aktuelle Lage in der Atompolitik. Kantor Christian Roß gestaltete das Thema etwa mit Orgelimprovisationen über „Da Pacem Domnie“ (Gib Frieden Herr) und das japanischen Volkslied „Sakura“ (Kirschblüte) mit.

Dr. Christiane und Peter Rieth vom Darmstädter Friedensforum trugen bewegende Zeugnisse von Opfern der Atomkatastrophen vor. „Eine Atombombe tötet jeden, grausam, schmerzhaft“, so Peter Rieth, „das kann nie wieder zugelassen werden, egal wo in der Welt.“ Dr. Christiane Rieth trug das berührende Klagegedicht „Das kleine tote Mädchen“ des türkischen Lyrikers Nazim Hikmet vor, woran sich eine Stille anschloss.

Oberbürgermeister Jochen Partsch, Mitglied im internationalen Städtenetzwerk „Mayors for Peace“, sprach vom Wandel des Physikers John Robert Oppenheimer, der die Atombombe entwickelt hatte, zum eindringlichen Warner mit dem Ziel, angesichts der verheerenden Auswirkungen künftig Nuklearkriege zu vermeiden. Doch die Waffe sollte noch weiterhin als Schutzschild und als Droh- und Druckmittel eingesetzt werden, so Partsch. 1989, nach dem Ende des Kalten Krieges, habe man zunächst geglaubt, die Gefahren eines globalen atomaren Erstschlags seien für immer vom Tisch, so Partsch. Heute habe sich die Weltlage von einer Bi- zur Multipolarität verändert, in der Mächte wie China, Indien, Pakistan und Nordkorea die nukleare Landkarte betreten hätten. Abrüstungsverträge wie der INF-Vertrag seien gekündigt worden. Ein Sieg in einem Atomkrieg werde durch neue präzisere Technologie für manche wieder denkbar, so Partsch.

Die globale Initiative „Mayors for Peace“, 1982 von Hiroshimas damaligem Bürgermeister Takeshi Araki gegründet, setze demgegenüber auf Dialog. Sie wolle Einfluss auf die globale Verbreitung von Atomwaffen nehmen und diese verhindern, so Partsch, und sich zudem in internationale Verhandlungen einmischen. Das Wort des Propheten Michas zitierend beklagte Partsch, dass der Weg „von Schwertern zu Pflugscharen“ heute schwieriger denn je zu sein scheine, angesichts einer zunehmend instabilen Weltlage. Darum plädierte er für einen erneuten Dialog mit den Atommächten. „Im Atomalter gibt es keinen gerechten Krieg mehr, wohl aber einen gerechten Frieden“, so Partsch, „auch wir können und müssen die Verantwortung für die Weltgemeinschaft übernehmen.“

Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse stellte die biblischen Friedensverheißungen in den Mittelpunkt ihrer Ansprache, nach denen „Finsternis und Schatten des Todes überwunden werden“ und ermutigte, in dieser Gewissheit die „Füße auf den Weg des Friedens zu richten“, wie es in der neutestamentlichen Geschichte um Zacharias steht. Bezugnehmend auf die Seligpreisungen, die Kirchenvorsteherin Irene Helas vor der Gemeinde las, führte Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse Vorbilder in der Geschichte an, die Frieden gestiftet haben, wie Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer oder die Frauen von „Unterwegs für das Leben“. Der Ökumenische Rat der Kirchen habe 1948 gefordert: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Auch heute sei es Aufgabe der Kirchen, „zum Frieden zu rufen“. Die Dekanin selbst habe Gelegenheit gehabt, mit Überlebenden von Hiroshima, den Hibakusha (das japanische Wort setzt sich zusammen aus Leiden, Bombe, Mensch) als „lebendige Mahnung und Ermutigung für uns“ zu sprechen. „Wer den Hibakusha zuhört, wird mit ihnen für ein Ende des Atomzeitaltes eintreten“, so die Dekanin. Sie plädierte dafür, dass Deutschland dem Abkommen der Vereinten Nationen zum Verbot von Atomwaffen von 2017 beitreten möge. 25 Staaten hätten dieses bereits ratifiziert. Den Vertrag hält die Dekanin für ein „starkes Hoffnungszeichen“.

Sie sei froh darüber, dass Oberbürgermeister Jochen Partsch den diesbezüglichen Städteappell der internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) unterzeichnet habe. Sie selbst unterstütze die Forderung als Kirchenvertreterin. Die Friedensbewegung sei heute klein, obwohl die Probleme groß seien, so die Dekanin. Die Gefahr des atomaren Wettrüstens müsse neben dem wichtigen Thema Klimawandel wieder stärker ins Bewusstsein rücken: „Christinnen und Christen müssen ein klares Nein zu Atomwaffen äußern.“ Die Kirchen, die vor Ort verwurzelt und universal verbunden sind, sollten noch stärker im Sinne der biblischen Friedensbotschaft aktiv werden. Atomwaffen seien ein „sündhafter Missbrauch der Schöpfung Gottes“. Leben solle nach Gottes willen geschützt und nicht gefährdet werden. Der Glaube an Jesus Christus bilde hier eine Einheit „jenseits nationaler und kultureller Grenzen“.

Beim nächsten Friedensgottesdienst am 1. September, 10 Uhr, ist Dr. Peter Löw vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt zu Gast. Er wird wie die Dekanin über den Überfall auf Polen und den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren sowie die gemeinsame Friedensverantwortung für Europa und weltweit sprechen. An der Orgel ist Alexander Dietzel aus Frankfurt zu hören.

Am Mittwoch, 11. September, 18.30 Uhr, findet der traditionelle Ökumenische Friedensgottesdienst zum Gedenken an die Darmstädter Brandnacht und die Terroranschläge von 2001 in der Katholischen Innenstadtkirche St. Ludwig statt. Zu Beginn spricht Oberbürgermeister Jochen Partsch. Die Predigt hält Reverend Paul Mellor aus Großbritannien. Der methodistische Pfarrer ist Seelsorger bei der Royal Air Force und in der Nagelkreuzgemeinschaft engagiert, zu der auch die Stadtkirchengemeinde gehört. Den Gottesdienst leiten Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse vom Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt und Dekan Dr. Christoph Klock vom Katholischen Dekanat Darmstadt. Musikalisch wird der Friedensgottesdienst durch die Jugendkantorei der Singschule und die Kantoren Christian Roß und Jorin Sandau gestaltet.

Flyer zum Download

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