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Empfang der Religionen im Advent

DekanatMenschen aus verschiedenen Religionen treffen sich im AdventEmpfang der Religionen im Advent

Das Dekanat hatte zum Empfang der Religionen im Advent ins Offene Haus eingeladen. Thematisch stand der Empfang unter dem Wort aus der Weihnachtsgeschichte „Frieden auf Erden“, das mit der Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“ aus Psalm 34,15 korrespondiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Christentum, Islam, Judentum und Bahai'ì nahmen teil.

Frieden für alle
Dekanat Darmstadt hat zum Empfang der Religionen im Advent eingeladen
 
Er ist seit einigen Jahren eine gute Tradition im Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt: der Empfang der Religionen im Advent. Rund 50 Mitglieder von Christentum, Judentum, Islam, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage und Bahai‘ì waren ins Offene Haus gekommen, um interreligiöse Gemeinschaft zu leben. Unter dem Thema „Frieden auf Erden“ feierten sie eine Adventsandacht, und Vertreterinnen und Vertreter der Religionen richteten jeweils ein Wort an die Teilnehmenden. Anschließend war bei einem gemeinsamen Essen Gelegenheit zum Austausch.


Die Gastgeberinnen des Dekanats, Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse, Präses Carin Strobel und Ökumene-Pfarrerin Ulrike Hofmann, gestalteten gemeinsam die Liturgie. Sie hatten mit „Frieden auf Erden“ ein Wort aus der Weihnachtsgeschichte gewählt, das mit der Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“ aus Psalm 34,15 korrespondiert. „Wir wollten der Vision vom großen Frieden unter den Menschen nachgehen“, sagt Ulrike Hofmann, Pfarrerin für Ökumene und interreligiöses Gespräch im Dekanat, „und aus unterschiedlichen Perspektiven Gedanken dazu austauschen.“ Lucia Schnellbacher begleitete die Adventslieder am Klavier.


So begann Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse in ihrer Ansprache mit dem Bezug zum Zweiten Weltkrieg und dem Schuldbekenntnis, dass „Kirche tief verstrickt in Hassen und Morden“ gewesen sei. Sie verwies auf das Darmstädter Wort von 1947, das Ursachen benennt und „Irrwege“ bekennt, wobei sie auch das große Versäumnis des Wortes kritisierte, dass Antisemitismus hätte darin genannt werden müssen. Das Darmstädter Wort habe eine „Hinwendung zu Recht und Gerechtigkeit“ gefordert - eine Grundlage für „Frieden in Europa und der Welt“.


Die Dekanin rief auf, „sich für den Frieden in Bewegung zu setzen“. Dies koste etwas - Engagement, Beharrlichkeit, Leidenschaft. Viele zusammen, die Friedensstifter seien, könnten etwas bewirken. Voraussetzung für Frieden sei Gerechtigkeit, „gleiches Recht für alle zu leben, zu essen, zu arbeiten und sich zu entfalten“. Liebet Eure Feinde, wie es Jesus in der Bergpredigt fordert, „wer kann das?“ fragte die Dekanin. Mit der Bergpredigt sei keine Politik zu machen, meinten manche. Ihre Haltung sei demgegenüber: „Ohne die Haltung der Bergpredigt ist keine gute Politik zu machen“.


Frieden sei in der Vergangenheit nachweislich erfolgreicher gewaltlos erwirkt worden als durch Krieg. Gewaltfreiheit bedeute nicht, passiv zu bleiben. „Sie braucht Mut und Stärke“, so die Dekanin. Sie verwies auf das Leitbild des „gerechten Friedens“ in der EKD-Denkschrift von 2017. Durch zivile Friedenssicherung sollten gerechte Verhältnisse global geschaffen werden. Sie empfahl, sich mit dem jüngsten Positionspapier der EKHN-Synode „Kirche des gerechten Friedens werden“ auseinanderzusetzen und dabei auch Handlungsbeispiele aufzuzeigen. „Frieden ist möglich. Und zwar nicht erst im Jenseits, sondern – wie es die Engel an Weihnachten verkünden: „auf Erden!“

Das hebräische Wort für Frieden, Shalom, bedeute auch „Genüge“, oder „vergnügt, zufrieden sein“, wie die Dekanin die Bedeutung im Anschluss an das Impulspapier auch formulierte, und verbinde Frieden und Gerechtigkeit. Im Vertrauen auf Gottes Verheißung könne der Weg des Friedens gegangen werden. „Wir brauchen einander - Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen und andere Menschen guten Willens-, um den Weg des Friedens gehen zu können“, sagte die Dekanin, „hier in Darmstadt und überall.“ Nationalismus, Militarismus, Rassismus und Antisemitismus müsse eine Absage erteilt werden.

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, Jehoshua Ahrens, wies in seinem Beitrag daraufhin, dass die Juden jeden Morgen in ihrer Morgenliturgie den Psalm 34 beteten. Im Judentum gelte Aaron als Urbild des Friedliebenden, davon zeuge die Mischna, die Basis des Talmuds. Frieden und Nächstenliebe seien Mittelpunkt der Tora. Es gelte, „gemeinsam als religiöse Menschen die Werte der Heiligen Schriften in die Gesellschaft zu tragen, den Menschen näher zu bringen und so Frieden zu schaffen“, so Jehoshua Ahrens, „in der Nachbarschaft, in der Stadt und in der Welt.“ Gemeinsam mit Daniel Neumann, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, war Ahrens zum Empfang der Religionen im Advent gekommen.

Senay Altintas von der Emir-Sultan-Moschee in Darmstadt sagte, dass „Frieden auf Erden“ das Ziel der Bemühungen aller sein sollte. Dies erfordere Empathie, Mitleid, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Es gelte, in Gottesfurcht gerecht zu handeln. Sie zitierte den Friedensforscher Dr. Markus Weingardt, der vertrete, dass die Politik das Friedenspotential der Religionen mehr nutzen sollte. Der Mensch sei heute einsamer denn je, so Senay Altintas, ohne inneren Frieden. Die Religionen sollten sich für Liebe, Frieden, Seelenruhe sowie ein Dach über dem Kopf und ein Auskommen eines jeden einsetzen. Abschließend zog sie eine Parallele vom Advent, der Zeit der Besinnung und Einkehr, zum Ramadan, dem Gedenken an die Offenbarung des Koran.

Bernd Lülsdorf, katholischer Dekanatsreferent und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, sprach von der Gefahr, „in unauflöslichen Blasen zu leben“. Man sollte sich gegenseitig sehen und anerkennen, die jeweiligen Blasen des anderen durchstechen und sich die Furcht voreinander nehmen, damit man zusammen kommen könne. Frieden üben heiße auch voneinander lernen und Worte des Liebens benutzen, so Lülsdorf, der den früheren Limburger Bischof Franz Kamphaus zitierte: „Mach’s wie Gott, werde Mensch.“

Johannes Borgetto vom Interreligiösen Arbeitskreis lobte die Zusammenarbeit für den Frieden etwa bei der monatlichen Mahnwache oder beim gemeinsamen Gottesdienst zum Gedenken an die Toten an den europäischen Außengrenzen am Volkstrauertag. Alexander Weitzel von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen) bemerkte, dass das Gemeinschaft-Haben der Religionen im Advent schon ein Akt des Friedenschaffens sei. Zur Vision des großen Friedens unter den Menschen wollten alle einen Beitrag leisten im interreligiösen Dialog. Die Religionen erleben Bereicherung durch den Blick des anderen, so entstehe Frieden, sagte Weitzel. Pia Schweizer und Maren Massrouri von der Bahai’ì-Gemeinde trugen ein Friedensgedicht vor.  

Anschließend waren die Gäste noch zu einem gemeinsamen Abendessen im Offenen Haus eingeladen.

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