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Mahnwache gegen Antisemitismus

Marc WickelDekanin Ulrike Schmidt-Hesse bei der Mahnwache gegen Antisemitismus

Zu einer Mahnwache gegen Antisemitismus hatte am Pfingstmontag ein Bündnis aus Religionen, Politik, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Gruppen aufgerufen. "Der Nahostkonflikt rechtfertigt keine antisemitischen Parolen, keine Hetze, keinen Hass auf Jüdinnen und Juden, keine Angriffe auf Synagogen“, sagte Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse in ihrer Ansprache.

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Godehard LehwarkDekanin Ulrike Schmidt-Hesse

Mahnwache gegen Antisemitismus am Pfingstmontag in Darmstadt

Zu einer Mahnwache gegen Antisemitismus waren am Pfingstmontag rund 200 Menschen auf den Darmstädter Friedensplatz gekommen. Sie waren einem Aufruf eines breiten Bündnisses aus Religionen, Politik, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Gruppen gefolgt.

Alle Rednerinnen und Redner waren sich einig, dass Antisemitismus nicht nur aktuell oder importiert sei.
„Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine menschenverachtende Haltung“, sagte Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse vom Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt. „Wir sind hier als Menschen mit unterschiedlichen politischen Positionen versammelt“, stellte sie fest. „Zugleich ist klar: Der Nahostkonflikt rechtfertigt keine antisemitischen Parolen, keine Hetze, keinen Hass auf Jüdinnen und Juden, keine Angriffe auf Synagogen“, betonte sie.

Es sei wichtig, Anteil zu nehmen am Leiden der zivilen Opfer – der israelischen und der palästinensischen. Gegenüber Antisemitismus jeglicher Couleur gelte es „klare Kante zu zeigen“. Schmidt-Hesse würdigte die besonderen christlich-jüdischen Beziehungen und die weiteren interreligiösen Aktivitäten gegen Antisemitismus und Rassismus und für ein friedliches Zusammenleben in Darmstadt.

„Wir brauchen mehr Begegnungen und Dialog von Menschen unterschiedlicher Religionen, Herkünfte, Lebensweisen“, forderte die Dekanin. „Ebenso ist mehr Bildungsarbeit zum Thema nötig.“ Dabei gehe es auch um Haltungen und Empathie. Wesentlich sei die Wahrnehmung, dass jeder Mensch mehrere Zugehörigkeiten habe. „Menschen dürfen nicht aufgrund eines Merkmals als anders definiert und dann aufgrund dieser vermeintlichen Andersartigkeit abgewertet und ausgegrenzt werden“, erinnerte sie.
„Wir müssen im Alltag antisemitischen Äußerungen entgegentreten, nicht peinlich berührt schweigen, nicht abwiegeln“, rief Ulrike Schmidt-Hesse auf. Es dürfe nie wieder geschehen, dass in unserem Land nicht eingegriffen werde, wenn jüdische Menschen und jüdische Gotteshäuser bedroht und angegriffen werden. „Es kommt auf jede, auf jeden von uns an.“

„Eine Zahl, die atemlos innehalten lässt“, nannte Bernd Lülsdorf von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sowie dem Katholischen Dekanat Darmstadt die 2.351 polizeilich erfassten antisemitischen Vorfälle im Jahr 2020 in Deutschland.

Bernd Lülsdorf erinnerte daran, dass die demokratischen Kräfte sich nicht auseinander dividieren lassen dürfen. „Wir werden immer wieder unsere Stimme erheben, wenn der Mob durch unsere Straßen pöbelt“, versprach Bernd Lülsdorf. Er bedauerte, dass erneut eine Mahnwache abgehalten werden müsse, begrüßte aber, dass die Jugendorganisationen der Parteien dazu mit aufgerufen hatten.

„Es beschämt mich als Muslim, es beschämt mich als Deutscher, kommentierte Abdassamad El Yazidi, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, die Angriffe auf jüdische Personen und Einrichtungen. Abdassamad El Yazidi begrüßte, dass Teilnehmer der Mahnwache einig seien, sah aber auch, dass es unter Gleichgesinnten einfach sei. „Schwieriger ist es bei Facebook“, sagte er mit Blick auf die sozialen Netzwerke, dort sei es nicht einfach Hass entgegen zu treten.

Mit einer kämpferischen Rede wies Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) darauf hin, dass der „antisemitische Mob“ verschiedene Quellen habe. Das seien links- und rechtsradikale und islamistische Gruppen, zählte er auf. „Und es gibt auch den ganz normalen bürgerlichen Antisemitismus.“ Der OB erinnerte an die aktuellen Zusammenhänge. „Das, was im Nahmen Osten passiert, passiert, weil die terroristische Hamas mit tausenden Raketen Israel angegriffen hat.“

Panzerglas, hohe Zäune und Polizeipräsenz rund um die Uhr. Das seien die Schutzmaßnahmen für die Darmstädter Synagoge, wies Daniel Neumann von der Jüdischen Gemeinde hin. „Das ist jüdische Realität im Jahr 2021.“ Er sieht eine der Ursachen für Antisemitismus darin, dass Israel regelmäßig dämonisiert werde, auch von Menschen, die behaupteten gegen Antisemitismus zu sein. „Mit der Anwesenheit auf dieser Veranstaltung ist es nicht getan“, stellte Daniel Neumann fest.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Julia Schremmer an der Klarinette.

Zur Mahnwache aufgerufen hatten die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Darmstadt, Fridays for Future, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Darmstadt e.V., Grüne Jugend Darmstadt, Junge Liberale Darmstadt, Junge Union Darmstadt, Jusos Darmstadt, das Evangelische Dekanat Darmstadt-Stadt, das Katholische Dekanat Darmstadt, die Linksjugend [‘solid] Darmstadt und die IG Metall Jugend Darmstadt.  Unterstützt wurde sie von der DGB Jugend Darmstadt und der DGB Region Südhessen,

Marc Wickel

Aufruf Mahnwache gegen Antisemitismus am 24. Mai um 15 Uhr

Am Pfingstmontag um 15 Uhr trifft sich auf dem Friedensplatz auf Initiative der Jusos ein breites Bündnis verschiedener Religionen, politischer Jugendorganisationen und aus der Zivilgesellschaft, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Das erneute Aufflammen des Nahostkonflikts, unter dem alle Menschen unterschiedlichen Glaubens in der Region leiden, nutzen Antisemit*innen für widerliche Angriffe auf jüdische Personen und jüdische Einrichtungen. Die Angriffe auf Synagogen in den letzten Tagen zeigen, wie tief der Antisemitismus in unserer Gesellschaft verwurzelt ist.

Wir stellen uns dem mit aller Kraft entgegen! Der Judenhass in Deutschland nimmt zu. 2.351 polizeilich erfasste antisemitische Vorfälle im Jahr 2020 ist eine alarmierende Bilanz. Deshalb setzen sich die Veranstalter*innen für eine umfassende Strategie gegen Antisemitismus ein. Hass gegen jüdische Personen ist ein Denkmuster, das die deutsche Gesellschaft nie verlassen hat, sich in diversen Formen immer neu erfindet und jüngst in Form von undifferenziertem Hass gegen den Staat Israel und die jüdischen Mitbürger*innen in Deutschland ausbrach. Deshalb braucht es gesamtgesellschaftliche Anstrengungen, um die Sicherheit und das Wohlbefinden von Jüd*innen in unserer Gemeinschaft zu garantieren.
Die Organisierenden hoffen, dass Israelis und Palästinenser den Weg des Friedens finden werden und begrüßen die Bemühungen um Deeskalation und eine Waffenruhe. Es gelte weiterhin auch den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland zu wahren und Antisemitismus und Rassismus sowie anderen Formen der Diskriminierung entschlossen zu begegnen.

Zur Teilnahme an der Mahnwache rufen auf:
● Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Darmstadt
● dgb jugend Darmstadt als Unterstützer
● dgb Region Südhessen als Unterstützer
● Fridays for Future
● Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Darmstadt e.V.
● Grüne Jugend Darmstadt
● Junge Liberale Darmstadt
● Junge Union Darmstadt
● Jusos Darmstadt
● Evangelisches Dekanat Darmstadt-Stadt
● Katholisches Dekanat Darmstadt
● linksjugend [‘solid] Darmstadt
● IG Metall Jugend Darmstadt

Ansprechpartner*innen:

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.
Bernd Lülsdorf, katholischer Vorsitzender
bernd.luelsdorf@gcjz-darmstadt.de

Jusos Darmstadt
Isabelle Emig, Pressesprecherin
presse@jusos-darmstadt.de

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