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Pfarrerin Mechthild Gunkel in Eberstadt-Süd verabschiedet

Pfarrerin Mechthild Gunkel verlässt die Kirchengemeinde Darmstadt-Eberstadt-Süd. Mit einem Gottesdienst ist sie durch den Stellvertretenden Dekan Dr. Raimund Wirth verabschiedet worden. Fast fünf Jahre hat die Theologin in Eberstadt-Süd gewirkt, jetzt wechselt sie als Schulpfarrerin an die Bergstraße.

Bericht von der Verabschiedung:

„Der gute Geist wird bleiben“
Bewegender Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrerin Mechthild Gunkel

Mit einem emotionalen Gottesdienst ist Mechthild Gunkel als Pfarrerin der Kirchengemeinde Darmstadt-Eberstadt-Süd verabschiedet worden. Mehr als 150 Gemeindeglieder und Gäste waren gekommen, um die scheidende Theologin ein letztes Mal im Gemeindezentrum predigen zu hören. Fast fünf Jahre lang hat sie hier Dienst getan. Der Chor „Musikalische Vision“ unter der Leitung von Lidiya Eberle und Brother John mit dem „Amazing Grace Choir“ gestalteten den Gottesdienst sowohl mit gefühl- als auch mit schwungvollen Liedern mit. Mechthild Gunkel wechselt als Schulpfarrerin an eine Berufsschule in Bensheim.
 
In ihrer Predigt ging Mechthild Gunkel auf die „Weltgemeinschaft“ ein, die sie in Eberstadt-Süd erlebt habe. Anleihen hierfür nahm sie bei Jesaja und dessen Traum von einer friedlichen Gemeinschaft aller Völker, einer ihrer Lieblingstexte aus der Bibel. Sie zitierte Jesajas Friedensverheißung „Verzagt nicht, hofft auf Frieden und lebt danach“ in einer damals politisch unruhigen Zeit mit „multinationalen Menschenströmen“. Gott werde sie zum Frieden fähig machen, was das Ende von Gewalt und Krieg bedeute.

Hier erwähnte sie auch, dass die Kirchengemeinde im vorigen Jahr eine Station beim Staffellauf gegen Rüstungsexporte „Frieden geht!“ ausgerichtet habe. „Da haben wir dazu beigetragen, dass dieser Traum sich verbreitet und wahr wird“, so Mechthild Gunkel. Den Traum Jesajas wahr werden zu lassen, fange „bei uns im Süden Eberstadts an“. Hier könne man lernen, sich auf Augenhöhe zu begegnen, „egal, welche Sprache unsere Muttersprache ist“.

Dankbar sei sie auch für den wahren Schatz an Geschichten, der ihr während ihrer Zeit als Gemeindepfarrerin in Eberstadt-Süd anvertraut worden sei. „Manchmal haben wir miteinander gelacht, manchmal miteinander geweint.“ Raum geben, zitierte sie das Leitmotiv ihrer Gemeinde, für Geschichten, Raum geben, auch damit andere hier feiern können, wie etwa die afrikanischen Christinnen und Christen mit Pastor Jonah Enobakhare oder die rumänisch-orthodoxe Gemeinde.

Gern hätte sie noch die Umsetzung eines „dringend notwendigen Familienzentrums“ erlebt. Den Süden Eberstadts habe sie als „Lernort für eine Gesellschaft, die bunter wird, in der Migration gelebt und gestaltet wird“, erlebt. Manches vom Traum Jesajas sei „hier, in dieser wunderbaren Weltgemeinschaft in Eberstadt-Süd, bereits Wirklichkeit“.

Der Stellvertretende Dekan Dr. Raimund Wirth hob in seiner Ansprache zur Verabschiedung eine der besonderen Gaben Mechthild Gunkels hervor, Menschen zum Nachdenken anzuregen, eine „ganz wichtige seelsorgliche Gabe“. So deutete er ihre Geste, das ihr zu ihrem Amtsantritt vom Kirchenvorstand geschenkte Salzfässchen leer zurückzugeben, einerseits als Zeichen des Loslassens, „eine heilsame Geste der Selbstbegrenzung“. Als zweite Deutung, gewissermaßen als Gegenerzählung, nannte Dr. Raimund Wirth die biblische Geschichte über ein Mehlfass und ein Ölfass, die nie leer werden, wovon der Prophet Elia berichtet. Damit wurde eine Frau gesegnet, die Elia in der Fremde aufnahm - „eine Geschichte von der Fülle“, vom Reich Gottes, in dem „kein Salzfass mehr leer wird, aller Hunger gestillt und aller Durst gelöscht ist – leiblich und geistlich“. Das leere Fässchen stehe für ihn in diesem Sinne für das  Vertrauen auf die Fülle Gottes. 

Dr. Raimund Wirth nannte die beruflichen Stationen Mechthild Gunkels, die für Studierendengemeinden als theologische Referentin tätig war, dann Pfarrerin in der Luthergemeinde in Offenbach, anschließend drei Jahre Flüchtlingspfarrerin und danach sieben Jahre Friedenspfarrerin, bevor sie 2014 nach Eberstadt-Süd kam. Zudem hob er ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und auch ihre musikalische Begabung als Beispiele ihrer Vielseitigkeit hervor. Für ihren neuen Dienst in der Heinrich-Metzendorf-Berufsschule in Bensheim wünschte er ihr Gottes Segen.

Der Kirchenvorstand lobte die Pfarrerin für ihr vielseitiges Engagement in der Gemeinde und nannte einige „Highlights“. Bei Festen sei sie stets eine „sehr präsente Gastgeberin“ gewesen. Dank sagten ihr die Mitglieder dafür, dass sie die Station beim Staffellauf „Frieden geht!“ nach Eberstadt geholt, ebenso wie für viele Konzerte, die sie organisiert hätte, und das Erzählcafé. Als „Dauer-Highlight“ nannte der Kirchenvorstand außerdem, dass Mechthild Gunkel den „Rollenden FarbRaum“ mit ins Leben gerufen habe. Neben den Großprojekten habe sie sich auch durch ihr „tägliches kontinuierliches Wirken“ ausgezeichnet und dafür gesorgt, dass die christliche Gemeinde im Stadtteil präsent sei. Ansprechbar sei sie gewesen, stets habe sie in Notlagen geholfen und der Gemeinde ein Gesicht gegeben. Ihr Wirken werde auch in Zukunft „als guter Geist spürbar bleiben“.

 

Pressemitteilung zur Verabschiedung:

Menschen Raum geben im vielfältigen Stadtteil

Pfarrerin Mechthild Gunkel verlässt die Evangelische Kirchengemeinde Darmstadt-Eberstadt-Süd und ist im Gottesdienst am Sonntag, 11. August, im Gemeindezentrum
durch den Stellvertretenden Dekan Dr. Raimund Wirth verabschiedet worden. Der Chor „Musikalische Vision“ unter der Leitung von Lidiya Eberle und Brother John mit dem „Amazing Grace Choir“ gestalteten den Gottesdienst mit. Mechthild Gunkel wechselt als Schulpfarrerin an eine Berufsschule in Bensheim.

Vor fast fünf Jahren übernahm die Theologin die Pfarrstelle in Eberstadt-Süd. Mechthild Gunkel schätzte die interkulturelle Prägung des Stadtteils und sah es als ihre Aufgabe an, „möglichst vielen Menschen Raum zu geben“, wie es auch im Leitbild der Kirchengemeinde steht. Für die sozialen Anliegen der Menschen hatte sie immer ein offenes Ohr und ein großes Herz. Ihr Ziel war es, „für die Belange aller Menschen einzutreten“, sagt die Neunundfünfzigjährige. Das bedeutet für sie, „mehr als freundlich hinzugucken“ und für unterschiedlichste Menschen im Gemeinwesen Partei zu ergreifen. Die gemeindeeigene Kita, die ihr sehr am Herzen lag, sieht sie als „Türöffnerin in den Stadtteil“.

Gern hat sie Gottesdienste mit Menschen unterschiedlicher Muttersprachen und kultureller Hintergründe gefeiert. Erfahrungen als Bauherrin sammelte sie beim Umbau des Pfarrhauses, wo das Kinderhaus Paradies nun Offene Kinderarbeit anbietet. Dass sich die Gemeinde im Stadtteil einbringt, war ihr immer wichtig. Auch mit den katholischen Nachbarn hat Mechthild Gunkel gern zusammengearbeitet. Ein Highlight war für die frühere Friedenspfarrerin, dass ihre Gemeinde beim bundesweiten Staffellauf gegen Rüstungsexporte „Frieden geht“ im vorigen Jahr eine Station gestaltet hat.

Die Vielfalt in ihrer Kirchengemeinde wurde eindrücklich an Pfingsten erlebbar, wenn Menschen die Pfingstgeschichte in verschiedenen Sprachen vorlasen, wie sie erzählt. „Jeder sollte im Gottesdienst seinen Platz und seine Würde haben und eine Sichtbarkeit bekommen“, sagt Mechthild Gunkel. Immer wieder bewies sie ein gutes Händchen, Menschen zusammenzubringen. „Ich bin dankbar für den Schatz an Lebensgeschichten“, sagt die scheidende Pfarrerin. Dankbar ist sie auch für den „Rollenden FarbRaum“, einen zum Malatelier umgebauten Wohnwagen, der als gemeinsames Projekt der Kirchengemeinde und des Instituts für Humanistische Kunsttherapie entstanden ist. Er steht bei Festen, vor Flüchtlingsunterkünften und in Kitas, um Kinder aller Nationen zum Malen einzuladen.

Für jeden haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in der Gemeinde war sie dankbar. Froh ist sie auch über Pastor Jonah Enobakhare und pfingstlerisch-charismatische Christen vor allem aus Nigeria, die in der Gemeinde wöchentlich Gottesdienst feiern. Auf eine gute Zusammenarbeit mit der Wilhelm-Hauff-Schule blickt Mechthild Gunkel zudem zurück. Hier hat sie in den vergangenen Jahren gemeinsam mit katholischen, islamischen und evangelischen Religionslehrern einen multireligiösen Schulentlassungsgottesdienst für Viertklässler gestaltet. Ihrer Kirchengemeinde wünscht Mechthild Gunkel, dass sie weiterhin „niederschwellig und vernetzt“ das Leben vor Ort mitprägt.

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