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Stadt ehrt Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat 200 Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe, darunter ein Großteil aus dem Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt, gewürdigt. Dekanin Ulrike Schmidt- Hesse sprach bei der Dankesfeier im Justus-Liebig-Haus als Fürsprecherin der Kampagne „Darmstadt bleibt weltoffen“.

Vorgestellt wurden Projekte, in denen Geflüchtete selbst ehrenamtlich tätig wurden: ein Box- Projekt für geflüchtete Menschen, ein Geflüchteter im Bundesfreiwilligendienst und das Zeitungsprojekt „Hallo Darmstadt!“, bei dem Menschen von ihren Erlebnissen und ihrem Einleben in Darmstadt berichten. Die Dekanin würdigte die „zahlreichen Initiativen aus Vereinen, Stadtteilen, politischen Gruppen, Kirchengemeinden und anderen Religionsgemeinschaften“. Viel Beifall bekam sie für ihre Kritik an der Abschiebepraxis nach Afghanistan, wo die Situation weiterhin bedrohlich sei. Zudem regte die Dekanin an, dass die Vernetzung von in der Arbeit mit Geflüchteten Aktiven in der Stadt noch verbessert werden sollte, etwa durch einen „Runden Tisch Integration“.

Der Kontakt kam vor zwei Jahren. Damals gab Doris Kimmel als Mitglied des Asylkreises Eberstadt Sprachunterricht für Geflüchtete in der Christuskirchengemeinde. Dorthin kamen Menschen aus dem Erstwohnheim am Donnersbergring. Darunter auch Tamim Sultani. Schnell lernte die Ehrenamtliche den Mann aus Afghanistan und dessen Familie kennen. Bald wurde daraus eine enge Freundschaft - bis heute. „Die freundschaftliche Beziehung zu der Familie und die Herzlichkeit sind ein persönlicher Gewinn für mich“, sagt Doris Kimmel. Bei der Dankesveranstaltung haben Tamim Sultani und Doris Kimmel gemeinsam davon berichtet. „Es ist wie eine zweite Familie für mich“, sagt die Eberstädterin.

Der Mann aus Afghanistan sei, weil er Frauen Sportunterricht gegeben habe, von den Taliban verfolgt worden und schließlich mit seiner Familie geflohen. Heute ist er als Boxtrainer in einem Studio in Darmstadt tätig und hat im September das erste europäische Boxturnier für Geflüchtete mit 120 Teilnehmern organisiert. Doris Kimmel begleitet die Familienmitglieder zu Schule, Kindergarten, Ämtern und Ärzten. Durch ihr Engagement habe sie einen „neuen Blick auf die Welt“ bekommen. Auch in Darmstadt habe sie dadurch viele neue Menschen und Institutionen kennengelernt, von denen sie vorher nicht einmal etwas wusste, wie sie sagt: „Ich habe immer offene Türen gefunden.“ Inzwischen könne die Fünfundsiebzigjährige auf ein gut funktionierendes Netzwerk, zu dem auch das Begegnungscafé gehöre, in ihrem Wirkungsbereich Eberstadt zurückgreifen. Sie selbst sehe ihre Aufgabe neben der Begleitung auch in der Vernetzung.  

Gemeinsam mit rund 200 Ehrenamtlichen, die sich für Geflüchtete engagieren, ist sie bei einer Dankesveranstaltung im Justus-Liebig-Haus geehrt worden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hatte im Rahmen ihrer Solidaritätsoffensive „Darmstadt bleibt weltoffen“ eingeladen. Oberbürgermeister Jochen Partsch und Sozialdezernentin Barbara Akdeniz würdigten die Engagierten. Zudem wurden drei Projekte vorgestellt, in denen Geflüchtete selbst ehrenamtlich tätig wurden: Tamim Sultani stellte sein Box-Projekt für geflüchtete Menschen vor. Abdulrazaq Jalek berichtete von seinen Erfahrungen als Bundesfreiwilligendienstleistender und ehrenamtlicher Helfer im Erstwohnheim Jefferson. Ebenfalls stellte sich das Redaktionsteam des Zeitungsprojekts „Hallo Darmstadt!“, eine Zeitung, in der geflüchtete Menschen von ihren Erlebnissen und ihrem Einleben in Darmstadt berichten, vor. Für Musik sorgten ein Jazz-Duo und das Projekt „Heimat durch Musik“, das jungen geflüchteten Frauen Ausdrucksmöglichkeiten durch gemeinsames Musizieren ermöglicht.  

Als Fürsprecherin der Kampagne „Darmstadt bleibt weltoffen“ sprach Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse und dankte den Ehrenamtlichen für deren großes Engagement für  geflüchtete Menschen und für die Zeit, die sie sich für diese nähmen. Sie würdigte die „zahlreichen Initiativen aus Vereinen, Stadtteilen, politischen Gruppen, Kirchengemeinden und anderen Religionsgemeinschaften“ und nannte als Beispiele für Aktivitäten etwa Kleiderbörse, Sprachtreff, Begegnungscafé, Fahrradwerkstatt, Kochgruppe, Sportangebot,  Hausaufgabenhilfe oder auch die Begleitung einzelner Geflüchteter zu Ämtern und bei der Wohnungssuche.  

Sie nannte die Unterstützung Geflüchteter, die derzeit in evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenasyl leben, als „besonders fordernde Aufgabe“ und dankte den hier Engagierten  für das Engagement. Die Dekanin erinnerte weiterhin an das große Willkommensfest auf dem Luisenplatz im Spätsommer 2015 und an die Engagement-Börse im Offenen Haus. „Vor allem Ihnen ist es zu verdanken, dass es hier in der Stadt eine lebendige Willkommenskultur gab und gibt“, so die Dekanin, „ich bin sehr froh, dass Stadt und andere Einrichtungen und Organisationen sehr bald auch eine Willkommensstruktur entwickelt haben - Wir brauchen in der Arbeit mit geflüchteten Menschen haupt- und ehrenamtliches Engagement, persönliche Haltungen und gute Strukturen, Weltoffenheit und finanzielle Ressourcen!“  

Nach der Ersthilfe habe nun eine Phase begonnen, in der die Integration stärker im Vordergrund stehe. Hier gehe es um Spracherwerb, um Schul- und Kita-Plätze für Kinder,  um Arbeit, Ausbildung und Praktika, um eigenen Wohnraum und Beteiligung am öffentlichen Leben, so Ulrike Schmidt-Hesse. Es gehe auch weiterhin um Zuhören und Anteilnehmen an schrecklichen Erfahrungen im Herkunftsland oder auf der Flucht. Es gehe auch darum, „Wege zu eröffnen für ein selbstbestimmtes gutes Leben“, so die Dekanin, „es geht um Teilhabe aller und um ein menschenwürdiges, gerechtes und gewaltfreies Zusammenleben in der Stadt“, so die Dekanin.  

Hier sei ein wichtiger Baustein auch das Fortbildungsprogramm für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit, eine Kooperation von Freiwilligenzentrum, Evangelischer Hochschule, Evangelischem Dekanat und der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Derzeit werde dieses an die veränderte Situation angepasst. Das Dekanat plane weiterhin ein Angebot der Reflektion für Ehrenamtliche und bereite im Rahmen eines Arbeitsmarktintegrationsprojekts mit dem Dekanat Vorderer Odenwald Informationsveranstaltungen vor.  

Viel Beifall bekam die Dekanin für ihre Kritik an der Abschiebepraxis nach Afghanistan, wo die Situation weiterhin bedrohlich sei: „Wir fordern deshalb einen sofortigen Erlass eines Abschiebestopps und ein Ende der Verunsicherung afghanischer Asylsuchender.“ Starke Unterstützung fand auch, dass sie im Namen von „Darmstadt bleibt weltoffen“ forderte, Familienzusammenführung für Geflüchtete mit dem sogenannten subsidiären Schutz zu ermöglichen. Zudem regte die Dekanin an, dass die Vernetzung von in der Arbeit mit Geflüchteten Aktiven in der Stadt noch verbessert werden sollte, etwa durch einen „Runden Tisch Integration“.  

Seit gut einem Jahr gibt es die eigens eingerichtete Stelle Projekt- und Freiwilligenmanagement in der Arbeit mit Geflüchteten im Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt. „Der unermüdliche Einsatz aller Darmstädterinnen und Darmstädter, die sich in der Flüchtlingshilfe auf vielfältige Art und Weise ehrenamtlich einbringen, ist nicht nur ein großer Gewinn für die Integration von Asylsuchenden sondern auch für die gesamte Stadtgesellschaft“, sagt Sarah Knöll, die derzeit die Stelleninhaberin Katharina Kildau vertritt.

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