D.O.O.R. am 6. Februar in der Friedenskirche
D.O.O.R.-Projekt
26.12.2025
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Nicht nur Hobby, sondern Berufung
D.O.O.R.-Projekt aus Darmstadt begeistert seit 18 Jahren mit Orgel und Rockmusik in der Kirche
Nach und nach finden sich alle auf der Empore ein, packen ihre Instrumente aus, erzählen vom Tag. Mittwochabend ist Probezeit für die Musiker des D.O.O.R.-Projekts in der Johanneskirche in Darmstadt. Zuerst stimmen die Mitglieder ihre Instrumente nach der Orgel. Hier gibt Bernhardt Brand-Hofmeister den Ton an. Der Organist der Johannesgemeinde ist seit 2013 bei D.O.O.R. dabei. 2007 hat Dr. Gerhard Schnitzspahn, seit 2006 Pfarrer der Johannesgemeinde, die Formation zusammen mit Schlagzeuger Thomas Tschur gegründet. Beide hatten zuvor erstmals bei der Nacht der Kirchen in Darmstadt Rockmusik der 1970er Jahre mit Kirchenorgel zusammengebracht. Tschur kümmert sich seitdem bei D.O.O.R. nicht nur um den richtigen Takt, sondern auch um die Tontechnik.
Am Freitag, 6. Februar, um 18 Uhr ist das D.O.O.R-Projekt mit einem After-Work-Rockkonzert in der Friedenskirche, Fritz-Bauer-Straße 30, in Darmstadt zu erleben.
Schon spielt die Gruppe ohne große Worte der Abstimmung „A Whiter Shade Of Pale“ von Procol Harum an - ein Stück, das das D.O.O.R.-Projekt von Anfang an im Repertoire hat. Gerade recht, um sich auf die Probe einzustimmen. Das Akronym D.O.O.R. steht für „Deep Organ On Rock" in Anlehnung an den ähnlich klingenden Albumtitel "Deep Purple In Rock".
Der Sound auf der Empore schwillt immer mehr an, bis auch die letzte der 3000 Orgelpfeifen in Aktion ist. Gleich geht es weiter mit „Samba Pa Ti“ von Santana, bei der Bandleader Dr. Gerhard Schnitzspahn die E-Gitarre lässig aufheulen lässt. Anschließend macht er sich mit Gunter Hübner noch einmal dran, zu zweit ein paar prägende Partien nachzuschärfen. Bei D.O.O.R. sind alle Instrumente bis auf die Orgel doppelt besetzt, wie etwa Christian Schmale und Daniel Massoth am Bass oder Thomas Tschur und Stefan Distler am Schlagzeug. Als nächstes steht „Black Magic Woman“ auf der Playlist. Auf Gesang verzichtet die Band, die Gesangsmelodie übernehmen die Blasinstrumente. „Wir kennen uns alle sehr gut“, sagt Dr. Gerhard Schnitzspahn. Die Musiker, die zwischen 42 und 80 Jahre alt sind, verständigen sich während des Spielens über Blickkontakt.
Weitere anspruchsvolle Klassiker der Rockgeschichte wie „Stairway To Heaven“ von Led Zeppelin, „Bohemian Rhapsody“ von Queen oder „Music“ von John Miles ertönen. Die Musiker versuchen stets, „nah am Original zu sein“. Prägend sind bei D.O.O.R. seit 2015 auch die Bläser: Manfred Gerber und Dietloff von Hagke am Saxofon, Peter Groth an der Trompete und Günter Hübner an der Posaune. Für die besondere Mischung aus Rockband, Posaunenchor und Kirchenorgel bieten sich vor allem Stücke an, die durch ihre virtuosen Bläser- und Orgelarrangements besonders geeignet sind.
Neben der Freude am gemeinsamen Musizieren haben die zehn Bandmitglieder eine Botschaft, denn „jede Musik, die in der Kirche gespielt wird, ist Verkündigung“, sagt Pfarrer Dr. Gerhard Schnitzspahn. Vor allem liege ihnen daran, gerade in den heutigen Zeiten für Frieden einzustehen. Daher spielen sie auch Stücke wie „Child In Time“ von 1970, ein Antikriegslied von Deep Purple, das als Protestsong gegen den Vietnamkrieg geschrieben wurde, „heute aber aktueller denn je“ sei.
Auch wenn ein Großteil der Stücke aus den 1970er Jahren stammt, sind verschiedene Generationen bei den D.O.O.R.-Konzerten vertreten. „Da kommen Großeltern mit ihren Enkeln“, sagt etwa Dr. Gerhard Schnitzspahn, selbst bereits Großvater. „Die Musik überbrückt alles: Alter, Nationalität, Beruf“, so Dietloff von Hagke. Zudem kämen zu ihren Konzerten auch viele Menschen, „die sonst nicht in die Kirche gehen“, ergänzt Dr. Gerhard Schnitzspahn. Das motiviere die D.O.O.R.-Musiker umso mehr. Für sie sei das Musikmachen „mehr als ein Hobby, sondern eine Berufung“.
Bernhardt Brand-Hofmeister hat im Laufe der Jahre immer mehr auch den Einsatz von Bildprojektion und Beleuchtung bei den Konzerten gefördert, wodurch die Besucherinnen und Besucher angeregt durch Musik, Bilder und Lichtstimmung mitunter in die Zeit ihrer Jugend versetzt werden. Auch trügen Multimedia-Effekte dazu bei, „den Kirchraum neu kennenzulernen“, so Brand-Hofmeister. Je nach Kirche arbeitet D.O.O.R. auch mit Videoübertragung der Musiker auf Leinwände, damit die Zuschauerinnen und Zuschauer den Musikern beim Spielen zusehen können, wenn diese von den Bänken aus nicht sichtbar sind. Hierbei sind auch einige Ehefrauen der Musiker im Einsatz.
In 18 Jahren hat sich der Radius der Auftritte des D.O.O.R.-Projekts stetig erweitert. Mit ihrem ansehnlichen Equipment reisen sie inzwischen mit zwei Bussen und einem Kombi durch die Republik. Ein besonderes Erlebnis war etwa, als sie 2023 bei der „Wittenberger Erlebnisnacht“ vor 2000 Gästen spielten. Auch bei einem ZDF-Fernsehgottesdienst 2017 in der Johanneskirche wirkten sie mit. Bei Hessentagen spielten sie auf Open-Air-Bühnen und das D.O.O.R.-Projekt war in verschiedenen Hörfunk- und Fernsehsendungen zu Gast.
Weitere Termine und Informationen über das D.O.O.R.-Projekt sind unter https://www.doorprojekt.com zu finden.
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